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Bildillustration

Lisa Marie Weiss
Nachrichten aus Zimbabwe

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Nachrichtenbild Erste Eindrücke nach der Ankunft......
 

1.       Wie hat dich deine Familie aufgenommen?

Meine erste Gastfamilie, ist im Gegensatz zu dem was ihr vielleicht von einer afrikanischen Familie  erwartet, eine weiße Familie. Sie besteht aus meiner Gastmutter Sandy Whitehead und Lauren und Kristin Whitehead, Zwillinge im Alter von 14 Jahren. Als ich am Flughafen angekommen bin, war ich natürlich total aufgeregt und habe mich gefragt “Wie nehmen sie mich auf, was erwartet mich in der Familie?” Ich wurde mit Umarmungen begrüßt und einem Lächeln, dass meine Nervosität hat verschwinden lassen. Ich kam mir vor, als würde ich Verwandte besuchen. Und das an meinem ersten Tag!

Mit der Zeit bin ich immer näher an die Familie herangetreten und bin nun ein vollwertiges Familienmitglied. Die Mädels bezeichnen mich als große Schwester und Mum bezeichnet mich als Tochter. Sie haben mich mit offenen Armen empfangen und ich gebe ihnen das Gefühl, das war das Richtige. Mittlerweile haben wir einen geregelten Tagesablauf, in dem ich all meine Aufgaben erfülle und manchmal auch mehr. Solange ihr im Haushalt helft und euch nicht abkapselt von der Familie müsst ihr gar nichts befürchten. Geht offen auf alle Familienmitglieder zu, redet mit ihnen, soweit ihr die Sprache beherrscht.

Aber: Versucht auch nicht euch an die Familie zu klammern und die Mitglieder einzuengen. Ihr werdet Ablenkung brauchen, aber jeder braucht auch mal eine Pause und Zeit für sich! Anfangs habe ich es gehasst, alleine zu sein und nichts zu tun zu haben, weil ich immer an meine Familie und alles Zurückgebliebene denken musste. Mittlerweile genieße ich die Zeit, mal darüber nachzudenken. Denkt aber nicht mit Trauer und Heimweh, sondern sagt euch “All diese Menschen sind stolz auf mich und freuen sich für mich, dass ich diese Chance bekommen und genutzt habe, sie lieben mich und sind immer bei mir, egal wo ich auch bin, sie sind immer da!” Glaubt mir, das tut gut!

Ich bin zwar gerade erst einen Monat hier, aber ich habe davon schon viel mitgemacht. Die Zeit verfliegt und ich habe das Gefühl ich muss bald schon wieder nach Hause.

2.       Wie läuft es in der Schule?

Schule hier ist anders als in Deutschland, aber keineswegs schlecht. Das erste was auffällt sind natürlich die Uniformen. Aber da gewöhnt man sich nach ein bis zwei Wochen dran. Die Mädchen in meiner Stufe sagen immer ich wäre ja so eine “Lucky cow” , dass ich in Deutschland keine Uniform tragen muss und dass ich auf einer gemischten Schule bin. In ganz Bulawayo gibt es nur eine gemischte Schule! Es ist eine Umstellung und ich muss sagen mir fehlen die Jungs in der Schule, weil ich es halt anders gewohnt bin, aber es macht auf alle Fälle Spaß mit den Mädels. Die sind alle genauso verrückt wie ich und wir ergänzen uns gut.

Ich bin in der Schule sowieso der Star, weil 90% der Mädels Schwarz sind und die 10% weißen Mädchen haben nicht so blonde Haare wie ich sie habe. Und macht euch keine Gedanken wenn der ganze Ort über euch redet. Das ist normal. Sobald ein Austauschschüler da ist, weiss jeder bescheid und jeder fragt nach euch.

Die Lehrer nehmen euch als Austauschschüler erstmal unter ihre Fittiche und helfen, wo es nur geht. Keine Panik, die ersten Tests müsst ihr nicht mitschreiben und danach habt ihr freie Wahl darüber. Ich habe schon den ersten Englisch-Test mitgeschrieben und habe besser abgeschnitten als einige aus der Klasse. Ihr müsst für euch entscheiden, was ihr wollt und das mit dem für euch zuständigen Lehrer abklären.

Doch bitte haltet euch an die rotarischen Regeln, denn ihr hinterlasst sonst ein schlechtes Bild. Ich von dem Austauschschüler erfahren, der letztes Jahr hier war. Ein Brasilianer, der ständig eine neue Freundin hatte, Keiner redet ausschließlich Gutes von ihm. Überlegt euch, was ihr wollt. So ein Beispiel vor die Nase gesetzt zu kriegen ist einprägsam.

3.       Wie klappt es mit der Sprache?

Okay, ich bin in einem englischsprachigen Land, dadurch habe ich natürlich einige Vorteile. Aber auch ich lerne. Ich habe meine Grundkenntnisse in Englisch in der Schule erworben und ich war nicht schlecht. Inzwischen spreche ich schon flüssig ohne irgendwelche Probleme. Ich verstehe fast alles und wenn ich die Wörter nicht kenne, frage ich einfach nach und bekomme es erklärt. Das ist besser als es im Wörterbuch nachzuschlagen, denn aus Erfahrungen lernt man wirklich besser. Geht aber auf keinen Fall ohne irgendwelche Sprachkenntnisse in ein anderes Land, ihr seid vollkommen aufgeschmissen und sogar ich habe am Flughafen mein Englisch vergessen, weil ich so aufgeregt war. Ihr euch besser einleben, wenn ihr die Spreche beherrscht. Ein altes Austauschschüler-Sprichwort ist “Wenn ihr anfangt in der Sprache zu träumen, dann habt ihr alles richtig gemacht”

Ich wette ihr fragt euch jetzt alle, ob mein Träume schon in Englisch sind und ich kann eure Frage mit “ja” beantworten

4.       Wie ist dein Verhältnis zu deinem Counselor?

Mein Verhältnis zu meinem Counselor ist nicht gerade das Beste, weil wir noch nicht die Zeit hatten uns kennen zu lernen. Zudem ist Jean zum ersten Mal Counselor und muss alles noch lernen. Aber wir kriegen das alles geregelt. Ich weiss ja auch was gemacht werden muss und mache ihr dann ein bisschen Druck.

Also macht euch keinen Kopf wenn euer Counselor nicht auf euch zu kommt, geht einfach auf ihn oder sie zu. Es ist euer Counselor und für das Jahr euer Vormund, also tut was für die Beziehung, soweit euch das möglich ist. Wenn ihr euch unwohl fühlt, sagt das einfach, irgendwer in eurem Club wird schon ein offenes Ohr dafür haben.

Also sagt sofort Bescheid bei Problemen. Bei allen Problemen.

5.       Wie ist dein Verhältnis zu deinem Rotary Club?

Mein Verhältnis zu dem Rotary Club ist sehr gut. Die Männer und Frauen haben mich schon alle ins Herz geschlossen und ich sie auch. Alle haben mich mit offenen Armen empfangen und ich habe sie in mein Herz geschlossen. Ich bin schon beliebt für meine Spritzigkeit und Fröhlichkeit und vor allem meiner super Einstellung dem Land und dem Kontinent gegenüber.

Hier ist es üblich, dass ich ein Wochenende mit jedem Mitglied des Clubs verbringen soll und ich freue mich schon darauf, einige der Männer sind auch schon eine Art Vaterfigur für mich.

6.       Was hast du selbst unternommen, um Freunde zu finden?

Um Freunde zu finden, bin ich überall mithingegangen, sei es die Kirche, Veranstaltungen, Musikunterricht oder anderes. Geht einfach mit! Es gibt überall junge Leute die ihr dadurch kennen lernen könnt. Und alle wollen euch kennen lernen, da ihr neu seid! Nutzt das aus. Zudem habe ich in der Schule die meistbelegten Kurse gewählt und natürlich auch nach eigenem Interesse. Dann mache ich viel Schulsport wodurch ich dann auch wieder eine ganze menge Menschen kennen gelernt habe und jetzt schon einen festen Freundeskreis habe. Seid immer freundlich, lächelt und redet viel, dann kann euch gar nichts Negatives passieren.

Also werdet zu einem Smilie!

7.       Was hast du selbst unternommen, um das Bild von Deutschland positiv

zu prägen?

Ich habe mich einfach als ich selbst gegeben, aber die Menschen hier wissen eine ganze Menge über Deutschland. Mehr als ich erwartet habe und ich kriege immer den Kommentar, dass ich eine komische Deutsche bin, weil ich als erste friere und als letzte schwitze, weil ich die Sonne liebe und ich so begeistert von dem Land bin. Versucht nicht euch für euer Land zu verstellen, seid ihr selbst, das ist das Beste was ihr machen könnt.

Aber bei allem was ihr tut, zügelt eure Zunge und haltet euch an Regeln.

Es könnte jeder Zeit gegen euch verwendet werden, besonders in der Schule und im Rotary Club. Bleibt euch einfach selbst treu, dann kann gar nichts passieren und ihr werdet ein gutes Licht auf Deutschland werfen. Ein Lächeln trägt ja auch schon dazu bei. Vor allem in den ersten Wochen.

8.       Welche Illusionen hattest du über dein Gastland?

Ich hatte keine wirklichen Illusionen. Ich verlangte nichts.

Als ich mich für Zimbabwe entschieden habe, hätte ich alles genommen, was ich bekommen hätte und wenn ich in einer Lehmhütte hätte wohnen müssen, das war mir egal,

solange ich in dem Land bin. Ich war realistisch und habe mir ein dritte Welt Land so vorgestellt wie ich es bekommen habe. Nicht so modernisiert wie Deutschland, ein schlichter Lebensstil, eine schlechtere aber gute Infrastruktur im Gegensatz zu Deutschland, glückliche Menschen trotz schlechter Verhältnisse in der Politik. Aber ich wusste, dass es den afrikanischen Menschen trotz schlechter Lebenssituationen gut geht und sie glücklich sind mit dem was sie haben und nicht noch mehr verlangen.

Solange ihr keine Anforderungen stellt könnt ihr nicht enttäuscht werden. Verlangt auch nicht von eurer Familie euch zu behandeln wie ihr zu Hause behandelt werdet. Ihr kommt in eine vollkommen neue Familie und da ist es nun mal anders, ihr müsst euch erstmal in die Familie einfinden und das geht nicht in ein paar Stunden.

Lasst es einfach auch euch zu kommen und freut euch über alles was ihr bekommt und seid nicht enttäuscht über alles was fehlt.

Ihr sollt die andere Kultur erfahren und nicht versuchen eure Kultur und euren Lebensstil durchzusetzen.

 9.       Was war das größte Problem?

Das größte Problem für mich war, meine Familie hinter mir zu lassen.

Meine Familie ist mir das Wichtigste in meinem Leben und ich liebe sie alle wirklich sehr. Es war hart für mich am Flughafen Abschied zu nehmen, mit der Gewissheit, sie erst in einem Jahr wieder zu sehen und solange von ihnen getrennt zu sein. Aber es gibt mir Kraft, dass sie mir schreiben und ich weiss, dass sie total stolz auf mich sind und immer bei mir sind, wo auch immer ich gerade bin, was ich auch mache. Ich wollte den Austausch machen, ich war mir dem Ganzen bewusst und ich habe es mir von nichts und niemandem ausreden lassen, noch nicht einmal von meinem derzeitigen Freund, der sehr dagegen angekämpft hat. Es war mein Wunsch, mein Wille und niemand kann mir das je wiedergeben, noch nicht mal meine Familie.

Es ist mein Leben, meine Erfahrung und mein Jahr. Klar, ich bin fast vollkommen auf mich allein gestellt und muss mir erst eine Schulter zum anlehnen suchen, aber ich wollte es so, genauso wie ihr diese Entscheidung gefällt habt, weil ihr es machen wolltet. Es tut weh, das kann ich euch sagen, aber es ist das Beste was euch passieren kann, lasst euch von dem Schmerz nicht beeinflussen. Das wäre der größte Fehler den ihr machen könntet, denn das würde euch das wohl beste und schönste Jahr eures Lebens verderben.

10.   Was würdest du anders machen, wenn du dich noch einmal auf dein

Austauschjahr vorbereiten würdest?

Das ist eine wirklich gute Frage, ich weiss nicht, wie ich mich anders darauf vorbereiten würde, aber ich denke, ich würde mich hauptsächlich auf die Einsamkeit einstellen, ich würde nicht versuchen vorher für einige Wochen von zu Hause weg zu gehen, aber ich würde mich psychisch mehr darauf einstellen, weil ich das nicht getan habe. Ich wollte es wohl nicht wahrhaben, das Beste was ich habe hinter mir zu lassen.

Auf das Land bzw. den Kontinent war ich schon lange bevor ich überhaupt wusste, dass ich das Stipendium des Rotary Clubs Werl bekomme. Es ist so, dass ich schon immer eine Leidenschaft für Afrika hatte und tief im Inneren meines Herzen flammte die Liebe für den Kontinent, die Kulturen, die Menschen schon immer. Ich war schon immer ein Kind Afrikas, wenn ihr es so haben wollt. Ich hoffe für euch, dass ihr die gleiche Leidenschaft und Liebe für eure Länder aufbringt.

Zum Schluss möchte ich euch allen wirklich alles Gute wünschen und ich hoffe, dass ich euch ein bisschen helfen konnte. Wenn sich irgendwer für ein Land in Afrika entscheiden sollte, oder speziell für Zimbabwe, erkundigt euch bei Herrn Eggert einfach nach meiner e-mail Adresse und fragt alles was ihr wissen wollt. Ich werde eure Fragen so gut wie möglich beantworten ich kann aber nicht für schnelle Antworten garantieren, da es hier schon mal Problem mit dem Internet gibt. Aber ich stehe euch immer zur Verfügung. Ihr werdet viel Spaß haben in dem Jahr, und niemand kann euch etwas Besseres geben. Das Jahr kann nichts in der Welt ersetzen.

Eure

Lisa-Marie Weiss

Freitag, 15. Juni 2007/WT
Letzte Änderung: 30.09.09/WT


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