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Angemessenes Benehmen
Schüler lernen Knigge kennen

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Nachrichtenbild Von der richtigen Begrüßung bis zum Bewerbungsgespräch: Die Neuntklässler der Hauptschule erfuhren in einem Kurs wichtige Grundlagen des Benehmens.

Ufuk Mercimek trägt ein weißes Hemd. Ausnahmsweise. „Das ziehe ich sonst nur zu Hochzeiten an”, sagt er, „oder wenn wir irgendwo zu Besuch sind.” Denn für gewöhnlich steht der 15-Jährige eher auf ganz normale Jeans, T-Shirts und Pullover, „oft mit Kapuze”, betont er. Heute jedoch hat Ufuk die etwas feinere Kleidung aus dem Schrank geholt. Das gehörte zu den Aufgaben des Benimm-Trainings an der Hauptschule Lessingstraße.

„Benimm ist in – und noch vieles mehr”: Unter diesem Motto lernten Schüler der Jahrgangsstufe 9 zwei Tage lang, wie sie sich zu verhalten haben – bei der Begrüßung, beim Essen und beim Vorstellungsgespräch. Das Seminar, das der Hattinger Rotary-Club maßgeblich unterstützt, will Schulleiterin Christiane Kuck in Zukunft regelmäßig anbieten.

Ein Bewerbungsgespräch in Freizeitkleidung? Das hat Kursleiterin Astrid Schnare- Hoffmann den Jugendlichen von Anfang an ausgeredet. Doch es ist längst nicht das einzige Tabu. „Das Handy bleibt dabei natürlich aus”, erklärt die Diplom-Sozialpädagogin den Schülern aus der Klasse 9 b. „Und wenn ihr euch verspäten solltet, dann ruft auf jeden Fall an.” Und wenn die Nummer fehlt? „Die steht doch in der Einladung”, hilft ein Schüler weiter.

Grundlegende Tipps hält Astrid Schnare-Hoffmann bereit für Situationen, die auf die meisten Schüler demnächst zukommen. Andere Regeln können die Jungen und Mädchen schon jetzt umsetzen. Zum Beispiel das Verhalten bei Tisch, ein weiterer Schwerpunkt des Kurses. „Uns wurde erklärt, wie man das Weinglas halten soll”, erzählt Alena Rotnova (16). Mit zwei Fingern am Stiel, nicht am Glas selbst, hat sie gelernt. „Und im Restaurant nimmt man das Besteck von außen nach innen”, hat ihr Mitschüler Ufuk behalten. „Das war neu für mich.”

Überhaupt waren den Jugendlichen bislang viele Verhaltensweisen unbekannt, die Astrid Schnare-Hoffmann zur Sprache brachte. „Das hat vor allem mit der Art der Erziehung zu tun”, begründet die Kursleiterin die Wissenslücken. „Früher haben wir noch ganz andere Erziehungswerte vermittelt.” Und auch die Entwicklung der Rolle der Frau spiele eine Rolle. Mangelndes Wissen in Sachen Knigge sei daher nicht nur ein Problem, das speziell an den Hauptschulen auftrete. „Die Frage stellt sich überall gleich, allerdings mit unterschiedlichen Ausprägungen.”

Mit dem Ergebnis des Benimm-Kurses ist Astrid Schnare-Hoffmann zufrieden: „Die Schüler haben begriffen, dass das Thema wichtig ist.” Nicht nur, was die konkreten Regeln für Bewerbungssituationen angeht. „Auch im Miteinander haben die Schüler dazu gelernt: andere Länder, andere Sitten.” Dass sich in der Türkei gute Bekannte oder Freunde zur Begrüßung auf die Wangen küssen oder dass in Deutschland beim Gespräch eine Distanz von einer Armlänge als angenehm empfunden wird – auch das konnte sie in den zwei Tagen vermitteln.




Donnerstag, 19. März 2009/MM
Letzte Änderung: 19.03.09/MM


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